Archiv der Kategorie 'Hintergrund'

Strukturen vor Ort

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Seit Dienstag haben sich eine ganze Menge Menschen für uns und den Fall von Bert Neumann interessiert. Das freut uns natürlich sehr! Einige haben uns auch angeschrieben und uns von Fällen berichtet, die dem von Bert sehr ähnlich sind oder sogar noch wesentlich heftiger. Aber wo gibt es in der Nähe ähnliche Gruppen, die Unterstützung geben können?

Um diese Frage zu beantworten, mussten wir uns selber erstmal einen Überblick verschaffen. Auf der oben stehenden Karte haben wir mal alles zusammengetragen, was uns als irgendwie halbwegs offensiv und sympathisch erschien. Natürlich erhebt diese Zusammenstellung keinen Anspruch auf Vollständigkeit, deswegen würden wir uns über Ergänzungsvorschläge sehr freuen. DAS regelmäßig gepflegte Adressverzeichnis von RechtanwältInnen, Beratungsstellen, Erwerbslosen- oder Sozialhilfeinitiative und Ämterbegleitung gibt es beim Tacheles e.V.

Besonder hervorheben möchten wir an dieser Stelle nochmal die Gruppe BASTA aus Berlin und die KEAs aus Köln, die uns bei unseren ersten Schritten im Widerstand unterstützt haben. Danke dafür! :-)

„Wir spielen arbeiten“

Sechs Monate Bewerbungstraining: Wie Erwerbslose geregelte Tätigkeit üben sollen

Leise sirren die Computer. Dicht an dicht nebeneinander wie in der Schule sitzen Erwachsene und starren auf Bildschirme. Auf der Etage verteilen sich vier Großraumbüros. Sie gehen vom Flur links ab, nach rechts liegen die verglasten Einzelbüros. Konzentrierte Geschäftigkeit, hier und da ein Schwätzchen, ab und zu Lachen aus der Teeküche.

Hier arbeitet eine große Firma, die zahlreiche Filialen hat. Die Firma behauptet stolz, Marktführer zu sein. Was wird hier hergestellt? Bewerbungen.

Die Jobcenter in Berlin wie anderswo in Deutschland sind verpflichtet, Menschen, die Geld für ihren Lebensunterhalt von ihnen beziehen, schnellstmöglich an einen »Arbeitgeber« im »ersten Arbeitsmarkt« zu vermitteln. Jeder Sachbearbeiter hat Vorgaben, wie stark er die »Hilfebedürftigkeit« seiner »Fälle« zu verringern hat. Gelingt das nicht, findet er sich bald selbst auf der anderen Seite des Schreibtisches als »Kunde« des Jobcenters wieder. Auch die Arbeitsverträge von Sachbearbeitern sind häufig prekär.
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