Bert Neumann ist unser Freund und ihn hat die Unmenschlichkeit des Hartz-IV-Systems mit ganzer Härte getroffen.

Kurz vor Weihnachten wurde ihm durch das Jobcenter Spree-Neiße in Forst (Lausitz) mitgeteilt, dass er ab dem 1. Januar für drei Monate keine Erwerbslosenunterstützung mehr erhält. Diese 100%-Sanktionierung bedeutet, dass er laufende Kosten für Internet, Strom, Gas und Wasser nicht begleichen kann. Auch die Kosten der Unterkunft werden nicht mehr übernommen. Die einzige Unterstützung, die er noch erhält, ist ein Lebensmittelgutschein, den er für einen Einkauf pro Monat nutzen kann.

Verschuldung, Kälte, Hunger und Obdachlosigkeit. Was hat er verbrochen? Im vergangenen Jahr wurde ihm vom Jobcenter zum dritten Mal die gleiche „Qualifizierungsmaßnahme“ aufgedrückt. Er kennt sich sehr gut mit Computern aus, trotzdem sollte ihm in einem Kurs erklärt werden, wie man beispielsweise eine Maus bedient. Anfang November hat er hier krankheitsbedingt gefehlt und konnte keinen Krankenschein vorweisen.

Bert leidet unter der chronischen Magen-Darm-Entzündung „Morbus Crohn“. Diese tritt immer wieder in Schüben auf und ist mit starken Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen verbunden. In Forst herrscht Ärztemangel. Neue Patienten werden nicht mehr aufgenommen. Die ihn behandelnden Ärzte sitzen in Cottbus und Berlin und sind während eines Krankheitsschubes nicht erreichbar. Hinzu kommt, dass Erwerbslose ohne Genehmigung ihre Gemeinde nicht verlassen dürfen.

Die 100%-Sanktionierung soll Bert Neumann in die gesellschaftliche Isolierung treiben, um dieser Sackgasse zu entgehen hat er sich Hilfe geholt. Der Journalist Peter Nowak hat Anfang Januar bundesweit über seinen Fall berichtet. Gemeinsam mit verschiedenen UnterstützerInnen haben wir in Forst den „Freundeskreis Bert Neumann“ gebildet.

Wir sind solidarisch – helfen uns und anderen. Wir organisieren uns und sorgen zusammen dafür, dass die Scheiße aufhört!

Freundeskreis Bert Neumann