Archiv für Oktober 2013

Bert Neumann. Interview zum Stand der Dinge

In unserer letzten Beitrag hatten wir davon berichtet, dass unser Freund Bert Neumann von starken Schüben der Magen-Darm-Krankheit Morbus-Crohn heimgesucht wurde. Doch was ist seitdem passiert? Wir wollen ihn hier selbst zu Wort kommen lassen.

FBN: Bert, in den letzten Monaten haben wir uns wirklich Sorgen um dich und deine Gesundheit gemacht. Kannst du uns kurz berichten, wie es dir ergangen ist?

Bert: Die Morbus-Crohn-Schübe wurden zwischenzeitig so schlimm, dass ich im Mai 2013 ins Krankenhaus gegangen bin und da sofort ein paar mal operiert wurde. Im August wurde mir ein Ileostoma (Künstlicher Darmmausgang)gelegt. Nach zuletzt 5 Wochen Kur hab ich langsam gelernt damit umzugehen.

FBN: Du bestandest ja zwischenzeitlich wirklich nur noch aus Haut und Knochen. Jetzt scheint es dir ja wieder besser zu gehen.

Bert: Ja, das stimmt. Es besteht sogar die Möglichkeit, dass in naher Zukunft der künstliche Magenausgang wieder zurückverlegt werden kann. Das bedeutet natürlich noch lange nicht, dass ich von der Morbus Crohn Krankheit geheilt bin.

FBN: Der letzte Krankheitsschub hat sich ja direkt im Anschluss an die dir vom Jobcenter auferlegte 100%-Kürzung ereignet. Wie ist es denn da weitergegangen?

Bert: Inzwischen erhalte ich wieder den kompletten Hartz-IV-Satz. Für die Mietschulden, die in den 3 Monaten der Sanktion aufgelaufen sind, hab ich mit dem Jobcenter eine Darlehensvereinbarung abgeschlossen. Das heißt, dass Sie mir ein Darlehen für die Miete gewähren, das ich dann schrittweise mit Abzügen vom meinem Hartz-IV abbezahle.

FBN: Das bedeutet, dass die befürchtete Kündigungen des Mietvertrages wegen der zwischenzeitlich ausbleibenden Miete ausgeblieben ist. Wie kommt es?

Bert: Die Vermieter ist über 80, wohnt irgendwo in Bayern und kümmert sich nicht mehr wirklich um das Haus. Auch die bisherige Hausverwaltung hat den Vertrag mit dem Vermieter gekündigt. Da scheint die ausbleibende Mietzahlung nicht wirklich aufgefallen zu sein. Die andere Seite ist, dass das Haus erhebliche Baumängel aufweist. Beispielsweise werden kaputte Scheiben und Türen, wenn überhaupt, nur noch notdürftig repariert.

FBN: Das sind eigentlich unhaltbare Lebensbedingungen. In Forst gibt es doch so eine hohe Leerstandsquote. Wiese findet sich da keine bessere Wohnung für dich?

Bert: Jetzt in der Zeit meiner Krankschreibung bin ich auf Wohnungssuche, doch das Jobcenter ist der Meinung, dass ich mit meiner Wohnung zufrieden sein soll und stimmt einem Umzug nicht zu. Auch, dass das Haus in letzter Zeit immer mehr vorkommt und die Mieter auf sich alleine gestellt sind ist für sie kein ausreichender Grund.

FBN: Wie sollte es jetzt aus deiner Sicht weitergehen?

Bert: Ich hab Kontakt zu Menschen gefunden, die das rechtliche KnowHow besitzen, um zu erreichen, dass ich auch als Hartz-IV-Empfänger eine menschenwürdige Unterbringung erhalte. Doch darüber hinaus halte ich es für sehr wichtig, sich mit anderen Erwerbslosen und solidarischen Menschen zu vernetzen. Also noch mehr Menschen erkennen würden, dass ihr als so individuell erfahrenes Schicksal Teil eines größeren Problems darstellt. Das Teilen unserer gemachten Erfahrungen kann uns gegenüber der systematischen Verunsicherung stark machen.

FBN: Welche Rolle kann der „Freundeskreis Bert Neumann“ da aus deiner Sicht spielen?

Bert: Das Pseudonym „Bert Neumann“ ist ja inzwischen doch schon einigen Leuten ein Begriff. Ich fände es gut, wenn es sich in Zukunft etwas mehr von meiner Person lösen würde. „Bert Neumann“ zu sein bedeutet überall mit den Zumutungen des Agenda2010-Systems konfrontiert zu sein, keinen menschenwürdigen Wohnraum zu haben, um die Gesundheit in einer krank machenden Gesellschaft zu kämpfen usw. Der Blog des FBN kann dafür immer wieder als Andockstelle dienen, um sich zu vernetzen und Öffentlichkeit herzustellen. Anlässe gibt es ja mehr als genug.